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Studierende veranstalteten erste Tagung zum Thema Psychoneuroimmunologie

Das studentische Organisationsteam: Vordere Reihe von links nach rechts: Fuad Moayed, Lea Bengel, Rebecca Büttner und Julius Breu; Hintere Reihe von links nach rechts: Jonas Klingberg, Hanna Sommer, Moritz Binder

Das studentische Organisationsteam: Vordere Reihe von links nach rechts: Fuad Moayed, Lea Bengel, Rebecca Büttner und Julius Breu; Hintere Reihe von links nach rechts: Jonas Klingberg, Hanna Sommer, Moritz Binder

Studierende veranstalteten erste Tagung zum Thema Psychoneuroimmunologie

200 Teilnehmende interessierten sich für die Wechselwirkungen von Psyche, Nerven- und Immunsystem.

200 Teilnehmende besuchten die erste Autumn School zum Thema Psychoneuroimmunologie an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) vom 16. bis 19. November. Dabei ging es um die Frage „Wie wirken Psyche, Immun- und Nervensystem zusammen?“. Die Psychoneuroimmunologie (PNI) ist ein noch junges Forschungsfeld, das sich mit den wechselseitigen Wirkungen von Psyche, Nerven- und Immunsystem beschäftigt. Anspruch der PNI ist es, einen umfassenden Blick auf Gesundheit und Heilung zu implementieren und sowohl psychische wie soziale Einflüsse zu beachten, wenn Krankheiten behandelt oder ihnen vorgebeugt werden soll.

Inhaltlich gab Prof. Christian Schubert den Startschuss zur Tagung: Der Arzt, Psychologe und Psychotherapeut gilt als einer der renommiertesten Vertreter der PNI und hat das erste Lehrbuch über Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie geschrieben. Für Schubert sind Immun-, Nerven- und Hormonsystem eng miteinander verknüpft und besitzen eine „gemeinsame biochemische Sprache“ (Blalock, 1994). Psychischer Stress führt zur Ausschüttung spezifischer Hormone, diese haben wiederum Einfluss auf Immunzellen und können gleichzeitig die Stressreaktion im Gehirn verstärken. Stress hat also ganz klare körperliche Folgen. Beispielsweise heilen Wunden unter chronischem Stress deutlich langsamer, aber auch umgekehrt können Krankheitsprozesse psychische Folgen haben. So leiden unter anderem Menschen mit Krebs an dem sogenannten „Sickness Behaviour“. Entzündungsmarker des Immunsystems wirken im Gehirn und führen dazu, dass sich die Person, ähnlich wie bei einer Grippe, schlapp, müde und antrieblos fühlt.

Dr. Tanja Lange von der Universität Lübeck referierte über die Zusammenhänge von Schlaf und Psychoneuroimmunologie. Eingeführt wurde der Vortrag mit einem Video, in dem die Tochter der Schlafforscherin erklärt, warum wir schlafen: „Damit wir schön werden, damit wir schlau werden und damit wir gesund bleiben.“ Alle diese „Omaweisheiten“, wie Lange sie nennt, lassen sich wissenschaftlich nachweisen. Ausgeschlafene Menschen sehen attraktiver aus als ihre unausgeschlafenen Studienpartner. Außerdem spielt Schlaf eine wichtige Rolle bei dem Erlernen neuer Fähigkeiten. Wichtige Informationen werden im Schlaf gespeichert und unwichtige gelöscht. Schlaf hat aber auch eine immunologische Funktion. So wirkt eine Impfung deutlich besser, wenn die Patienten danach schlafen, als wenn sie in der folgenden Nacht wach bleiben müssen. Das Immunsystem scheint besser Antikörper produzieren zu können, wenn der Körper Ruhe hat.

Der Vortrag von Prof. Thorsten Krüger, Sportwissenschaftler aus Hannover, brachte sein Thema gleich zu Beginn auf einen Punkt: „Körperliche Aktivität und Sport sind gut für die Gesundheit.“ Dabei ist es nicht notwendig, Extremsport zu betreiben, sondern wichtiger, Schritt für Schritt zu einem aktiven Lebensstil zu finden. Leichte körperliche Aktivität wirkt antientzündlich, anders ist es bei Leistungssport, wie dem Lauf eines Marathons. Hier werden Muskeln überbeansprucht und in Folge entstehen Mikrorisse in der Muskulatur. Dies führt zu einer Reaktion des Immunsystems auf die untergegangen Zellen und somit zu einer Entzündung.

Prof. Dr. Kurt Zänker von der UW/H provozierte mit seinem Vortrag „Ist der Heilige Geist ein Epigenetiker?“. Er hob die Thematik auf eine metaphysische Ebene und ordnete die PNI in den zu Grunde liegenden philosophischen und religiösen Kontext, auf Grundlage von Texten des neuen Testaments, über Descartes und Kant bis zu heutigen Denkern, ein.

Den Abschluss der Autumn School machte Karin de Punder vom Institut für Medizinische Psychologie der Charité in Berlin mit einem Vortrag zu pränataler Programmierung. Dieses Forschungsfeld befasst sich mit den Auswirkungen von belastenden Ereignissen in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind. Dabei zeigen Studien, dass Stresshormone der Mutter zu einem Großteil über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf gelangen. Auf lange Sicht erhöht dies die Krankheitsanfälligkeit und die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Autoimmunerkrankungen im späteren Leben des Kindes.

Auf Grund des positiven Feedbacks der Teilnehmenden planen die Organisatoren eine Fortsetzung der Autumn School im kommenden Jahr mit neuen Themen und Vortragenden.

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