Silhouette Universität Witten/Herdecke
Department für Pflegewissenschaft

    Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege

    Der Lehrstuhl befasst sich mit Fragestellungen zur Krankheitsbewältigung und Gesundheitsförderung im Lebensverlauf von Familien. Neben der Betrachtung chronische Krankheit haben insbesondere vulnerable Gruppen eine hohe Priorität in Forschung und Lehre am Lehrstuhl. Zudem nehmen wir eine quartiersorientierte Perspektive zu Versorgungsfragen ein. Das Ziel aller Aktivitäten besteht darin, Einsicht in komplexe Bedürfnisse von Familien zu erhalten, damit wir evidenzbasierte Interventionen entwickeln können.

    Schwerpunkte sind Auseinandersetzungen

    • mit pflegenden Angehörigen
    • mit Familien in der palliativen Versorgung
    • mit chronisch Kranken und ihren Familien
    • mit besonders vulnerablen Gruppen, zum Beispiel mit Flüchtlingen oder Asylsuchenden
    • mit quartiersbezogenen Versorgungskonzepten.

    Neben diesen Aufgaben in Forschung und Lehre ist Lehrstuhlinhaber Professor Dr. Wilfried Schnepp Sprecher im Forschungskolleg „Familiengesundheit im Lebensverlauf“ (FamiLe). Zudem leitet er das PhD- und Doktorandenkolleg am Department für Pflegewissenschaft. In der Fakultät für Gesundheit ist er stellvertretender Vorsitzender des Qualifikationsausschusses für Promotionen.

    Der Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege ist in folgende Module des Masterstudiengangs Pflegewissenschaft eingebunden:

    Masterstudiengang Pflegewissenschaft, Modul 6: „Theorieentwicklung in der Pflegewissenschaft“
    Masterstudiengang Pflegewissenschaft Modul 9: „Theorie und Forschung der familienorientierten Pflege“
    Masterstudiengang Pflegewissenschaft Modul 10: „Versorgungskonzepte und Settings der familienorientierten Pflege“
    Name/Kontakt
    Funktion
    E-Mail
    Jahr
    Titel
    Autor
    Art des Beitrags
    2015
    Case Study. Methodik – Methodologie – Forschungsstrategie
    André Fringer, Wilfried Schnepp
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2015
    Pflegende Angehörige und Palliative Care
    André Fringer Wilfried Schnepp
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2015
    Familien in der ambulanten palliativen Betreuung – Operationalisierung von Bedarfen und Belastun­gen zur Entwicklung eines Screeningistrumentes
    Michael Galatsch, Friederike zu Sayn-Wittgenstein, Jörg große Schlarmannl
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2015
    Die Herausforderung chronische Herzinsuffizienz in der Alltagsbewältigung
    Cornelia Bläuer, Rebecca Spirig, Wilfried Schnepp
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2015
    Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Beruf – Doppelbelastung oder Chance?
    Julia Söhngen, Nicole Ruppert, Wilfried Schnepp
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2014
    Family Health Nursing – eine Herausforderung für Aus- und Weiterbildung? Ergebnisse eines europäischen Projektes
    Michael Galatsch
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2014
    Der Beginn eines chronischen Krankheitsverlaufs infolge eines akuten Herzinfarktes - Eine Grounded Theory Studie
    Stefanie Mentrup, Wilfried Schnepp
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2014
    Family Health Nursing – eine Herausforderung für Aus- und Weiterbildung? Ergebnisse eines europäischen Projektes
    Michael Galatsch et al.
    Fachartikel (Zeitschriften)
    2014
    Der Beginn eines chronischen Krankheitsverlaufs infolge eines akuten Herzinfarktes - Eine Grounded Theory Studie
    Dr. Stefanie Mentrup, Prof. Wilfried Schnepp
    Artikel
    2011
    Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung am Lebensende
    Helmut Budroni, Marion Schubert
    Fachartikel (Zeitschriften)
    Praxisprojekt Refugee Health Nursing
    Praxisprojekt Refugee Health Nursing
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    Im Rahmen des Moduls „Familiengesundheit“ haben sich die Masterstudierenden mit der Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Deutschland befasst. Zunächst führten sie eine umfassende Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken durch, aus der sich folgende Erkenntnis ableiten ließ: Derzeit gibt es kein verbindliches Handlungskonzept zur gesundheitlichen Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen in Deutschland. Die Einführung eines einheitlichen pflegerischen Konzeptes wäre aber zu empfehlen, um Versorgungskontinuität zu gewährleisten.

    Konzept „Refugee Health Nurse“

    Ein möglicher Ansatzpunkt könnte das internationale pflegerische Konzept der „Refugee Health Nurse“ (RHN) sein. Diese Pflegekräfte, die über entsprechende sprachliche und kulturelle Kompetenzen verfügen, betreuen Familien von ihrer Ankunft in Flüchtlingsunterkünften bis zum Umzug in andere Gemeinde oder Städte. Dieses Modell eignet sich ebenso für eine akutpflegerische Versorgung.

    Neben der Arbeit mit vulnerablen Familien steht die Gesundheitsförderung und Beratung von Einzelnen, Familien und Gruppen im Mittelpunkt. Sie sollen Unterstützung bei der Entscheidungsfindung, Krisenbewältigung und Problemlösung finden, zudem soll die Koordination und Erarbeitung von Standards vorangetrieben werden. Die Versorgung von Flüchtlingen könnte als erweitertes Aufgabengebiet von Familiengesundheitspflegerinnen und -pflegern gesehen werden, da es viele Überscheidungspunkte zum Konzept der RHNs gibt.

    Im Anschluss an die Literaturrecherche gingen die Studierenden in die Praxis und erarbeiten in einer Flüchtlingsunterkunft die Aufgabe der Pflege für die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Deutschland. Dazu bezogen sie rechtliche Bestimmungen, Finanzierungsregelungen und sozialdemografische Informationen ein. Mit der Leitung der Unterkunft wurde anhand eines Leitfadens ein Interview geführt. Der Fokus lag dabei auf der gesundheitlichen Untersuchung sowie der Anwendung  der Sanitätsstation.

    Den Schwerpunkt des Projektes sollten die Gesundheitsprobleme der Flüchtlinge bilden. Nach Auswertung der Ergebnisse stehen Empfehlungen für die Pflegepraxis an oberster Stelle.

    Familien in der ambulanten palliativen Betreuung

    Familien in der ambulanten palliativen Betreuung
    Familien in der ambulanten palliativen Betreuung
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    Familien in der ambulanten palliativen Situation unterliegen vielen Belastungen. Die Berücksichtigung und Einbeziehung ihrer Bedürfnisse und Erwartungen ist gemäß einer Studie des britischen Gesundheitsministeriums ein relevanter Qualitätsmarker in der palliativen Betreuung. Auch die Weltgesundheitsorganisation schließt explizit Unterstützungsmaßnahmen für die Familie und Angehörigen der Betroffenen als gleichwertige Aufgabe ein.

    Die Unterstützung und Betreuung der Familie – einschließlich der Trauerbegleitung – sollten Eckpunkte der palliativen Versorgung sein. Die Patientinnen sowie Patienten und ihre Familien haben trotz vieler Gemeinsamkeiten unterschiedliche Bedürfnisse. Auch gibt es für die Familienmitglieder aufgrund ihren multiplen Funktionen als "Klient", "Betreuender"/"Pflegender", "(Ehe-) Partner", "Kind" oder "Freund" oft ein unklares Rollenverständnis.

    Das macht die Familie in der palliativen Betreuung zu einem nur schwer zu fassenden Konzept das einer systematischen Betrachtung im Kontext bedarf. In den Lehrveranstaltungen sowie den Projekten steht die Situation der Familie in der ambulanten palliativen Betreuung im Mittelpunkt. Dabei beobachten wir ausgehend von der internationalen Entwicklung die ambulante palliative Situation der Familien in Deutschland.

    Hierzu gehören unter anderem Faktoren, die das Sterben Zuhause beeinflussen, ethische Überlegungen, die Rollen, Bedürfnisse und Belastungen der Familien in der palliativen Betreuung. Des Weiteren werden Strategien und Interventionsmöglichkeiten erarbeitet und diskutiert. Ziel ist es, ein umfängliches Bild der Familiensituation in der ambulanten palliativen Betreuung zu erlangen und mögliche Unterstützungsmaßnahmen zu identifizieren.

    Projekt TAPA-K: Tagesstätte für pflegebedürftige Angehörige von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Krankenhäusern – Entwicklung, Erprobung, Evaluation.

    Projekt TAPA-K: Tagesstätte für pflegebedürftige Angehörige von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Krankenhäusern – Entwicklung, Erprobung, Evaluation.
    Projekt TAPA-K: Tagesstätte für pflegebedürftige Angehörige von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Krankenhäusern – Entwicklung, Erprobung, Evaluation.
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    Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht es nicht mehr nur um die Betreuung von Kindern. Immer häufiger kümmern sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um ihre hilfe- oder pflegebedürftigen Eltern, Schwiegereltern, Partnerinnen und Partner oder um andere nahestehende Personen. Beruf und Pflege in Einklang zu bringen, ist in der Regel mit großen beruflichen wie privaten Anstrengungen und Einschränkungen verbunden. Unser Projekt „Das Projekt TAPA-K“ hatte eine Laufzeit von zwei Jahren und zielte darauf ab, einen direkten Beitrag zur Erleichterung zu leisten.

    Im Verlauf des Projekts stellte sich heraus, dass die ursprünglich geplante Konzeption und Erprobung einer Tagesstätte für pflegebedürftige Angehörige von Beschäftigten eines Krankenhauses kein passgerechtes Angebot war. Vielmehr äußerten die Beschäftigten den Wunsch nach Information und Beratung zur häuslichen Pflege sowie nach Möglichkeiten einer besseren Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Berufstätigkeit.

    Wir haben deshalb das Projekt inhaltlich angepasst und das „VIBB“-Konzept – „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Informationsangebot, Beratungsangebot und Betreuungsangebot“ – entwickelt. Die Befragungen der Beschäftigten zeigten, dass es zwar Unterstützungs- und Informationsbedarf zur Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Berufstätigkeit gibt, die Problematik aber auch in Einrichtungen des Gesundheitswesens noch nicht umfassend thematisiert wird.

    Zudem gibt es Vorbehalte von Beschäftigten gegenüber ihrem Arbeitgeber oder ihrer Arbeitgeberin, das Thema „Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen“ anzusprechen. Wenn sich ein Arbeitgeber entschließt, das Thema in seinem Unternehmen in den Blick zu nehmen, sollte er daher auf eine umfassende Information der Beschäftigten zu seinen Beweggründen achten, um Vorbehalte abzubauen. Vor der Einführung unterstützender Maßnahmen sollte der Arbeitgeber, die Arbeitgeberin den Unterstützungsbedarf der Beschäftigten im Unternehmen erfassen, um ein speziell ausgerichtetes Angebot zu entwickeln.

    Im Rahmen des Projekts „TAPA-K“ wurde das Beratungsangebot am häufigsten in Anspruch genommen, das die Beschäftigten während der Arbeitszeit flexibel und kostenlos nutzen konnten.

    Erstellung einer NRW-spezifischen Übersicht zur Gesamtsituation Pflegender Angehöriger (NRW-sÜPA)

    Übersicht zur Gesamtsituation pflegender Angehöriger in Nordrhein-Westfalen
    Übersicht zur Gesamtsituation pflegender Angehöriger in Nordrhein-Westfalen
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    Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen hat das Projekt „NRW-sÜPA“ vom 25. November 2013 bis zum 30. November 2015 gefördert. Ziel des Projekts war es, erstmalig eine landesspezifische Übersicht zur Gesamtsituation pflegender Angehöriger in Nordrhein-Westfalen zu erstellen.

    Das Forschungsprojekt zeichnete sich durch die interdisziplinäre Kooperation von Expertinnen und Experten im Themenfeld der landesspezifischen Fokussierung und durch den damit verbundenen Wissenstransfer aus. Beteiligt waren Forschende aus Nordrhein-Westfalen. Sie bündelten Ergebnisse und Erkenntnisse bisheriger Forschungen im Themenfeld pflegende Angehörige.

    Dies erfolgte in Expertisen zu identifizierten Themengebieten sowie in einer gemeinsamen Diskussion und Synthese von Erkenntnissen in der Projektgruppe. Parallel zu der gemeinsamen Arbeit gab es zudem eine systematische Suche, Kategorisierung und Darstellung bisherig erfolgter Forschungsaktivitäten.

    Die Ergebnisse flossen in eine gemeinsame Bündelung und Bewertung der Erkenntnisse ein, sowie in eine Konzentrierung zentraler Themenschwerpunkte für zukünftige Aktivitäten in Politik, Wissenschaft und Praxisentwicklung.

    Die Arbeit mündete in Empfehlungen relevanter Konzepte für pflegende Angehörige in Nordrhein-Westfalen, aber auch zur Ausrichtung zukünftiger Forschungsschwerpunkte.