Flavio von Witzleben, Student des Studiengangs Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis, berichtet über Chancenvielfalt und persönliche Atmosphäre.

„Ich weiß nun, wer ich sein will.“

Max Uthoff, bekannt als Chef der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“, sitzt mir gegenüber und erklärt mir, wo er die Zukunft der Medien sieht: „Da wird es dann spannend zu sehen, ob es Massenmedien in Zukunft überhaupt noch geben wird.“ Den schwarzen Anzug und die eng gebundene Krawatte hat er heute gegen Jeans und Shirt getauscht.

Es ist warm hier im Garten des Hotels, die Sonne scheint und wir reden über Facebook, investigative Satire, Fachidiotentum und vieles mehr. Später werden wir uns noch ein Taxi zum Bahnhof teilen und dabei feststellen, dass die Zeit viel zu knapp war. Eigentlich hätte das Interview jetzt erst richtig losgehen können.

Was eine Entscheidung bewirken kann

Diese Szene, die mir lebhaft in Erinnerung geblieben ist, war bisher eine der schönsten Erfahrungen innerhalb meines Studiums. Wann bekommt man schon einmal die Chance, ein Interview mit einer Person des öffentlichen Lebens wie Max Uthoff zu führen?

Bevor ich an der Universität Witten/Herdecke anfing, studierte ich zwei Semester an einer großen staatlichen Universität. Doch das dortige Massensystem war ich schnell leid. Ein alter Schulfreund von mir hatte zeitgleich ein Psychologiestudium in Witten begonnen. Er machte mich auf den Studiengang Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis aufmerksam und bestand darauf, dass ich den CAMPUStag besuche. Ich war begeistert und dann ging alles Schlag auf Schlag. Noch während ich die letzten Klausuren in meinem alten Studiengang schrieb, bekam ich die Zusage für Witten. So kam es zum Treffen mit Max Uthoff, welches im Rahmen des Projektseminares „Wir sind unsere Modelle“ stattfand.

Mich  begeisterte von Anfang an die Auswahl an Seminaren mit hohem Praxisbezug. So konnte ich auch meinen Traum, einmal mit einem hochrangigen Politiker von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, wahrmachen. Zusammen mit einem Kommilitonen fuhr ich im Februar 2016 nach Berlin, um ein Interview mit Gregor Gysi zu führen. Von da an stand für mich fest, dass ich mich in Richtung Journalismus orientieren möchte.

Ungeahnte Möglichkeiten

Glücklicherweise sind die Möglichkeiten, die sich in meinem Studiengang ergeben, sehr vielfältig. Das Studium lässt sich nach den eigenen Interessen und Schwerpunkten gestalten – Interdisziplinarität sei Dank. Ich belege meist Kurse aus Philosophie, Politik, Geschichte und Soziologie. Dazu kommen immer wieder spezielle Seminare, in denen die Praxis im Vordergrund steht.

Wie nah etwa Fußball und Philosophie beieinanderliegen, war mir nicht klar. Thomas Tuchel, der Trainer von Borussia Dortmund, erklärte uns diesen Zusammenhang anhand verschiedener Situationen seines Berufsalltags. Im Laufe der Gesprächsrunde lernten wir ihn von einer völlig neuen Seite kennen. Ich denke, dass ich interessante Möglichkeiten wie diese an kaum einer anderen Universität gehabt hätte.

Bessere Studienbedingungen und mehr

Im Vergleich zu meinen Erfahrungen an meiner vorherigen Universität herrscht in Witten eine ganz andere Atmosphäre. Vor meinem Wechsel hatte ich immer das Gefühl, dass ich zwar ganz viele Personen kennengelernt habe, aber niemanden so richtig. Hier in Witten ist das studentische Leben viel persönlicher. Man entwickelt Beziehungen auf ganz anderer Ebene.

Das gilt auch für das Verhältnis zu Professorinnen und Professoren. In kleinen Kursen ist die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten viel intensiver. Hier habe ich das Gefühl, dass ich aus den Seminaren auch etwas mitnehme.  Etwas, das mich wirklich weiterbringt – nicht nur fachlich, sondern auch menschlich.

Vor kurzem wartet ein weiteres Highlight auf mich. Wieder hatte es mit Max Uthoff zu tun. Da wir in Kontakt geblieben sind und ich schon immer den Wunsch hatte, Max Uthoff an die UW/H einzuladen, veranstaltete ich über die studentische Initiative Theatron Logou eine offene Gesprächsrunde mit ihm. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Der große Seminarraum war bis oben hin gefüllt, kein einziger freier Platz. Studierende, Lehrende und Universitätsangehörige waren gekommen, um mit Max Uthoff und mir über das Thema „Die juristische Seite des Kabaretts“ zu diskutieren. Max Uthoff hat, wie es zu erwarten war, ausdrucksstark, mit viel Witz und Leidenschaft, aber auch mit einer nötigen Ernsthaftigkeit überzeugt und mir, sowie meinen Kommilitonen, einen wunderbaren und nachdenklichen Nachmittag beschert. Die Themen waren so unterschiedlich wie die Shows der „Anstalt“: von Alphajournalisten über die Relevanz von Satire bis hin zu Medienkritik bot der Nachmittag verschiedenste Diskussions- und Streitpunkte. Dass ich dieses Format organisieren und moderieren durfte, war eine einzigartige Erfahrung in meinem Universitätsleben.